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Bezirk Neukölln veröffentlicht 2. Roma-Statusbericht

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Das Bezirksamt Neukölln von Berlin hat die 2. Auflage des Roma-Statusberichtes zur Entwicklung der Zuzüge von EU-Unionsbürgern aus Südosteuropa in Berlin-Neukölln unter der Federführung der Abteilung Bildung, Schule, Kultur und Sport veröffentlicht.

Der 20seitige Bericht dokumentiert die derzeitige Zuwanderungssituation von Menschen, vorwiegend aus Bulgarien und Rumänien aus der Ethnie der Roma. Die teils problematischen Entwicklungen, die sich im Bezirk Neukölln seit etwa 3 Jahren nach dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens zur Europäischen Union abzeichnen, werden durch die Darstellung der Bereiche Meldewesen, Lebensunterhalt und Erwerbstätigkeit, Bildungswesen, Gesundheitswesen und der Wohn- und Mietsituation beleuchtet. Die immensen Herausforderungen für den Bezirk Neukölln, seine behördlichen und freien Akteure und seine Bewohnerinnen und Bewohner zur Integration der neuen Bewohner und zur Wahrung des sozialen Friedens werden beschrieben.

Insbesondere und zuallererst im Schulbereich werden die Veränderungen der Bewohnerstruktur sichtbar. Die Anzahl der Schüler/innen aus Rumänien und Bulgarien nimmt stetig zu. Besuchten zu Beginn des Jahres 2011 548 Kinder die Neuköllner Schulen, rechnet das Schulamt in diesem Jahr bereits mit 650 – 700 Kindern. An 31 von 66 Neuköllner Schulen werden inzwischen zugezogene Kinder aus Südosteuropa mit wenig bis gar keinen Deutschkenntnissen beschult. Allein von Januar bis März 2012 wurden 74 Kinder aus Bulgarien und Rumänien für einen Schulplatz an einer Grund- oder Oberschule im Bezirk angemeldet.

Die Kinder sind größtenteils im Unterricht aufgeschlossen und lernwillig, es fehlt ihnen jedoch die entscheidende Voraussetzung für schulischen Erfolg. Sie verfügen über sehr geringe oder keinerlei deutsche Sprachkenntnisse und können so dem Unterricht in der Regelklasse nicht folgen. Darüber hinaus sind die Kinder häufig nicht altersgerecht entwickelt, nicht alphabetisiert und haben wenig oder keine schulischen Vorerfahrungen.

Schulleitungen und Lehrerinnen und Lehrer geraten in dieser Situation zunehmend an ihre Grenzen, auch weil mitten im Schuljahresverlauf immer wieder neue Kinder dazu kommen und der Förderbedarf nicht planbar ist.

Mit dem erwarteten Zuzug weiterer Kinder in die betroffenen Schulen, die mit ähnlich schlechten Voraussetzungen ihre Schullaufbahn in Berlin starten, kommt das Bezirksamt als Schulträger zunehmend an seine Grenzen, allen neu zugezogenen Kindern ihr Recht auf sofortige Beschulung zu gewährleisten. Schon jetzt wird im Sekundarschulbereich eine Warteliste geführt. Neue Klassen müssen erst eingerichtet und mit Personal ausgestattet werden, weil die vorhandenen Klassen bereits voll ausgelastet sind.

Seit April letzten Jahres erhalten Schulen im Bezirk Neukölln von der SENBJW die Finanzierung für 11 zusätzliche pädagogische Unterstützungskräfte mit rumänischen Sprachkenntnissen, die an zehn Schulen (8 Grundschulen und 2 Sekundarschulen) im Einsatz sind. Ein besonders erfolgreiches Modell für den Lernerfolg ist hier eine Klasse von Schulanfängern an der Hans-Fallada-Schule; in der eine rumänischsprachige Sprachmittlerin und eine reguläre Lehrerin als „Tandem“ tätig sind.

Bei der Bewertung der Situation kommen die Fachleute vor Ort immer wieder zu dem Schluss, dass dringend weitere zusätzliche Kräfte, Lehrerinnen und Lehrer sowie Sprach- und Kulturmittler benötigt werden, die in der Lage sind, in gesonderten temporären Lerngruppen mit diesen Kindern zu arbeiten, um sie auf die Regelklasse vorzubereiten und sie überhaupt erst schulfähig zu machen.

Die zuständige Neuköllner Bildungsstadträtin Dr. Franziska Giffey fordert angesichts der Entwicklungen ein gesamtstädtisches Handeln: “Es kann nur nochmals appelliert werden, dass auch in Anbetracht der neueren Zuzüge aus Griechenland, Spanien und Portugal sich die Systeme den neuen Herausforderungen der europäischen Armutswanderung stellen und weniger eine projekthafte Finanzierung erfolgen sollte, als die Regeldienste wie Kita, Schule und Regelberatungsdienste adäquater auszustatten und zu stärken. Hier sind die zuständigen Senatsverwaltungen für Arbeit, Integration und Frauen, Soziales und Gesundheit, Bildung, Jugend und Wissenschaft und Inneres in der Pflicht, umgehend Berlin weite Handlungs- und Finanzierungskonzepte zu entwickeln, die die Bezirke vor Ort in ihren Bemühungen unterstützen können.”

2. Roma-Statusbericht. Entwicklung der Zuzüge von EU-Unionsbürgern aus Südosteuropa Berlin – Neukölln. April 2012

Weitere Informationen: Dr. Franziska Giffey, Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport
, Tel: 030-90239-2231

BA Neukölln, 5.4.2012