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Ein Roma-Kind pro Tag kommt nach Neukölln und stellt das Gesundheitsamt vor Probleme

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Erheblich mehr Vorsorge- und Einschulungsuntersuchungen sowie Impfschutz gegen Epidemien erforderlich

Mit den verstärkt nach Neukölln zuziehenden Roma-Familien kommen auch viele Kinder im schulpflichtigen Alter in den Bezirk. Von Januar 2010 bis Januar 2011 waren es 362 Kinder, die der bezirkliche Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) zusätzlich zu den jährlich rund 3.000 Neuköllner Schulanfängern in den Pflicht-Einschulungsuntersuchungen begutachtet hat. Hinzu kommen die zahnärztlichen Untersuchungen in den Grundschulen.

Durch die mangelnden Deutschkenntnisse von Eltern und Kindern ist die Verständigung im KJGD kaum möglich, Sprachmittler gibt es nicht. Auch die Einbestellung zu Pflichtuntersuchungen (z.B. Verbindliches Einladungswesen) gelingt nur unzureichend. Darüber hinaus wird der KJGD durch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen der Kinder aus Roma-Familien, die das deutsche Gesundheitssystem mit ambulanter Versorgung durch niedergelassene Ärzte nicht kennen, weiter erheblich belastet, zumal sie nur selten krankenversichert sind.

Neuköllns Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Gesundheit Falko Liecke: “Im vergangenen Jahr sind schulpflichtige Kinder aus Roma-Familien in der Größenordnung einer ganzen Grundschule nach Neukölln gekommen. Zwar gilt der erleichterte Zuzug für diese EU-Bürger erst ab 2014, faktisch kontrolliert das aber niemand, ob die dreimonatige Touristenregelung eingehalten wird. Wer länger bleibt, bleibt eben. Mit diesem Problem sind nicht nur die Schulen, sondern auch der öffentliche Gesundheitsdienst erheblich konfrontiert. Mit der Stammbesetzung im KJGD ist das nicht zu schaffen. Auch der Ausbruch ansteckender Krankheiten ist durch Impfungen zu verhindern, das Budget für den Impfstoff in Höhe von rd. 10.000 € war im letzten Jahr bereits im März verbraucht. Gefährliche Impflücken können so entstehen, wenn wir die Kinder nicht durchimpfen können. Wir benötigen dringend kurzfristige Unterstützung seitens des Gesundheitssenats in dieser Frage.”

BA Neukölln, 9.2.2011