Neukölln im Netz
Werkstatt der Kulturen

Vom Abfall dieser Welt - Rücup Afrikanische Kunst in Berlin-Neukölln

15. Januar bis Ende April 2007 – In Afrika hat sich das Thema Abfall und Recycling unter dem Label “Art de la Rücuperation” längst als eigene, ernst zu nehmende Kunstrichtung etabliert. Damit ist weit mehr gemeint als bloße “Wiederverwendung” von Material.
Vielmehr geht es um dessen Neubefragung und Umdeutung, um die Decodierung ethnisch-kultureller Festlegungen, um deren Aufbrechen und so letztendlich um eine Neuinterpretation.

Die afrikanischen Künstler Socrate Safo (Ghana, Neue Medien) und Zinkp (Benin, Objektkunst) werden vom 15.01. bis 16.02.2007 – als “artists in residence” – in Neukölln Kunstprojekte entwickeln und realisieren, die sich mit dem Thema Abfall im weiten Sinn auseinandersetzen. Mit dem spezifischen Interesse der “Rücuperation” begegnen afrikanische Künstler, ausgehend von ihrem spezifischen Verständnis für Material und Materialität, das zugleich Ergebnis eines Rechercheprozesses und Kommentar zu gesellschaftlichen Vorgängen ist, der reichen Wegwerfgesellschaft.

Die künstlerische Realisierung kann ein Projekt in der Galerie im Körnerpark sein, es kann sich aber auch als temporäre Installation oder Aktion im öffentlichen Raum Neuköllns entwickeln. Der Ort wird mit den Künstlern gemeinsam bestimmt werden.

Der Projektort Neukölln ist kein Zufall, leben hier doch die meisten afrikanischen Migranten Berlins. Insbesondere ihre Kinder werden manchmal abschätzig behandelt – sie gelten als “Die ganz unten” im Migranten-(Selbst-)Ranking. Deshalb werden zugleich Bereiche der Galerie im Körnerpark zum Kinder- und Jugendaktionsraum auf Zeit umdefiniert. Afrikanische Künstler und andere (Ethnologen, Pädagogen, Entwicklungshilfespezialisten) werden mit Kindern im Rahmen von Workshops sowohl inhaltlich zum Thema Afrika arbeiten, als auch – durch afrikanische Beispiele angeregt – mit Abfall der Wohlstandsgesellschaft selbst kreativ gestalten. Wie die Künstler im Sinne von Rücuperation ihr Material um- und neu deuten, so sollen Kinder und Jugendliche Materialien auf ihre Bedeutung hinterfragen, ihre Festlegung aufbrechen und neu interpretieren.

Neben der kreativen Herausforderung ist dies ein Versuch, zu erlernen, mit Respekt, der Wissen voraussetzt, auf andere Kulturen zuzugehen. Es soll die Bereitschaft zur Decodierung kultureller Bedeutungsunterschiede gefördert, und – jeweils altersgemäß – Wissen über die Entwicklungsländer vermittelt werden. Zudem soll ein Gespür für den alternativen Umgang mit Abfall angeregt werden. Am Ende dieser großen Kreativaktion steht eine gemeinsame Ausstellung von Kindern und Künstlern, die den Abfall dieser Welt mit anderen Augen sehen lässt. Diese Ausstellung soll auch nach Dessau und Bayreuth wandern.

Das Projekt wird u. a. mit Mitteln des Haupttkulturfonds und des Umweltbundesamtes realisiert. Es beginnt Mitte Januar und wird bis Ende April dauern. Informationen über das Projekt und Anmeldung zu den Workshops unter Tel.: 030-90239-2431