Neukölln im Netz
Rathausbrunnen
Neukölln auf Twitter Neukölln auf Facebook

48 Stunden Neukölln 2010

Zurück

Komplex650 – Neukölln erinnert sich!
48 STUNDEN NEUKÖLLN – 25. bis 27. Juni 2010

Erinnern – Vergessen – Behalten – Verlieren

In diesem Jahr feiert nicht nur der Bezirk Neukölln (ehemals Rixdorf) 650-jähriges Jubiläum. Im September wird obendrein die “Passage”, die Verbindungsachse zwischen Karl-Marx-Straße und Richardstraße, 100 Jahre alt. Für die 48 STUNDEN NEUKÖLLN ist dies ein gebührender Anlass, sich dem Thema “Erinnerung” zu widmen. Aus städtebaulicher Sicht ist die “Passage” zweifellos einer der markantesten Orientierungspunkte an der Karl-Marx-Straße. Auch 2010 ist hier der Standort für den zentralen “Festival-Infopunkt”. Nur wenige hundert Meter entfernt vom geschäftigen Treiben auf der belebten Karl-Marx-Straße liegt das historische “Böhmische Dorf”. Bekanntlich gewährte Friedrich Wilhelm I. 1737 einer Gruppe böhmischer Glaubensflüchtlinge Zuflucht im damaligen “Rieksdorf”. Vieles deutet darauf hin, dass die “Integration” der ersten Migranten nicht ganz ohne Konflikte verlief. Die Böhmen siedelten zunächst in der Randlage des Dorfes. Als “Böhmisch Rixdorf” erhielt die Gemeinde der Zuwanderer ab 1797 sogar eine eigene Verwaltung. Bei der Wiedervereinigung der beiden Gemeinden Böhmisch-Rixdorf und Deutsch-Rixdorf im Jahr 1874 lebten bereits 8.000 Menschen in dem Dorf, dessen Einwohnerzahl so rapide anwuchs, dass es 1899 die Stadtrechte erhielt.

Man kommt nicht umhin, zwischen der historischen und der gegenwärtigen Situation in dem bevölkerungsreichen Berliner Bezirk gewisse Parallelen zu sehen. Damals wie heute geht es um den Themenkreis “Integration und kulturelle Identität”. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist Neukölln ein Schmelztiegel, in dem Menschen aus 165 Nationen zusammen treffen. (Inter-)kulturelle Projekte haben eine Brückenfunktion bei der Bewältigung der Herausforderung, sich ein weiteres Mal als Gemeinschaft neu zu (er)finden.

Fast ein halbes Jahrhundert residierte das “Museum Neukölln” – die wichtigste Adresse für die Vermittlung von Geschichte und Alltagskultur in Neukölln in der Ganghofer Straße. Unmittelbar nach seinem Umzug auf den “Gutshof Britz” werden die Räumlichkeiten im Rahmen der 48 STUNDEN NEUKÖLLN zwei Ausstellungen beherbergen, die sich mit unterschiedlichem Schwerpunkt dem Thema “Erinnerung” widmen:

Horizonte
Insgesamt 16 bildende Künstler beziehen Position zur Stadthistorie und machen sie als Speichermedium verschiedener politischer Ereignisse, Gesellschaftsformen und individueller Lebenswirklichkeiten sichtbar. So werden alte Ansichten im Balkankrieg zerstörter Städte bei Henning Kappenberg zu Gedächtnisbildern. Karsten Konrad verweist mit seinem Modell verschwundener DDR-Architekturen auf die Brüche im Berliner Stadtgefüge wie auch auf die Visionen eines untergegangenen Staates. Andere Arbeiten beziehen sich auf die Neuköllner Lokalgeschichte: Franz Johns Klanginstallation “sich erinnern…” macht vergessene und übersehene Orte im Stadtteil wahrnehmbar. Nach unseren Wurzeln und kulturellen Bezugsrahmen fragt Martina Becker. Sie inszeniert mit “Operation Richard” die spektakuläre Entdeckung einer kleinen, vergessenen Gesellschaft, welche sich seit 650 Jahren … abgekapselt von der Außenwelt – nicht verändert hat. Durchgehend von Freitag 19 Uhr bis Sonntag 19 Uhr liest der Autorenclub quertext Gedichte und Geschichten quer durch alle Genres, Zeiten und Welten.
Ort: Altes Museum, Ganghofer Straße 3, Fr 19 Uhr So 19 Uhr

urban memories
Parallel dazu entwickeln sechs KünstlerInnen aus unterschiedlichen Ländern partizipatorische Einzelprojekte und Performances, die die Mitwirkung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen suchen, beziehungsweise in direkter Interaktion mit AusstellungsbesucherInnen zustande kommen. urban memories verweist darauf, dass die Geschichte(n!) des Stadtteils, die eigenen, multiperspektivischen Geschichten der interkulturellen Bevölkerung Neuköllns sind.
Ort: Altes Museum, Ganghofer Straße 3, Fr 19 Uhr – So 19 Uhr

Eleonore Prochaska
In dem medialen Kunstprojekt wird an Eleonore Prochaska erinnert, die vor 225 Jahren als Tochter böhmischer Einwanderer in Böhmisch-Rixdorf geboren wurde. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon schloss sie sich als Mann verkleidet dem Lötzowschen Freikorps an, wurde im Kampf schwer verwundet und starb. Sie wurde darauf hin als die preußische Jeanne d’Arc” verehrt. In einer Außeninstallation der Künstlerin Beate Klompmaker werden u. a. überlieferte intime Briefe, geschrieben von Eleonore Prochaska an ihren Bruder, und ein von Ludwig van Beethoven komponierter Trauermarsch auf Eleonore Prochaska zu hören sein. Stationen des Identitätswandels der Eleonore Prochaska (Darstellerin Rita Braisch) sind in Form fotografischer Portraits auf Werbeträgern im Berliner Stadtraum, insbesondere in Neukölln, sowie in Köln und in Usti nad Orlici / Tschechien zu sehen.
Ort: Kirchgasse 60, Fr 19 Uhr – So 19 Uhr

REMEMBER_BE MEMBER
Experimentelles Museum 1
museeon – eine Gruppe von Berliner “AusstellungsgestalterInnen” – experimentiert in diesem Kunstprojekt mit neuen Erlebnisformen im Museumskontext. 48 Stunden lang steht ein leerer Raum zur Verfügung, den BesucherInnen unter dem Motto “REMEMBER_BE MEMBER” durch ihre Geschichten mit Leben füllen und in ein außergewöhnliches Museum verwandeln können. An allen drei Tagen gibt es dazu jeweils ein “special event”. Die Titel der Veranstaltungen, die am Freitag und Samstag jeweils um 19.00 Uhr und am Sonntag um 18.00 Uhr beginnen, lauten: “Erinnerungen anstoßen”, “Erinnerungen feiern” und “Erinnerungen freilassen”.
Ort: Ida Nowhere, Donaustraße 79, Fr 19 Uhr – So 19 Uhr

NEUKÖLLNER GESICHTER
Berühmte Persönlichkeiten in Neukölln – Ein Quiz im Erdgeschoss der Neukölln-Arcaden
Der Neuköllner Kiez war immer schon ein interessantes Pflaster. Nicht nur heute zieht die Kreativ-Szene dorthin, sondern auch schon früher hat es KünstlerInnen, SchauspielerInnen, MusikerInnen und andere bekannte Persönlichkeiten hierher verschlagen. Was aber haben Joseph Beuys, Dagobert oder Marianne Rosenberg mit Neukölln zu tun? Neun “Berühmte Neuköllner” werden sowohl schriftlich als auch visuell in jeweils einer Vitrine portraitiert und dargestellt. Wer den auf einer Postkarte aufgelisteten Namen die richtige Vitrine zuordnen kann, nimmt an der Preisverlosung teil. Die glücklichen Gewinner erwarten attraktive Preise, wie zum Beispiel eine Neukölln-Führung der besonderen Art mit Herrn Steinle in einer offenen Kutsche.
Ort: Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Straße 66, Fr 19-22 Uhr, Sa 8-22 Uhr, So 8-19 Uhr

Die 48 STUNDEN NEUKÖLLN werden vom Kulturnetzwerk Neukölln e.V. organisiert und kommuniziert. Das Bezirksamt Neukölln stellt die Grundfinanzierung sicher. Viele weitere Stiftungen, Partner und Sponsoren tragen dazu bei, dass sich Neukölln alljährlich von seiner besten Seite präsentiert.

www.48-stunden-neukoelln.de

48 Stunden Neukölln 2009

Neukölln blüht auf! 48 STUNDEN NEUKÖLLN

www.48-stunden-neukoelln.de

Kunst an der Karl-Marx-Straße
Während des Kunst- und Kulturfestivals 48 Stunden Neukölln avanciert die Karl-Marx-Straße auch in diesem Jahr von der belebten Einkaufsstraße zur Kunstmeile. Mit Unterstützung durch den Aktionärsfond der [Aktion! Karl-Marx-Straße], in der engagierte Akteure gemeinsam die Zukunft des Neuköllner Geschäfts-, Verwaltungs- und Kulturzentrums gestalten, wird 2009 als zusätzliche Attraktion ein Rikscha-Shuttle eingerichtet: Festivalbesucher können sich am Samstag, dem 27. Juni per Velotaxi kostenlos zu den verschiedenen Kunstorten entlang der Karl-Marx-Straße chauffieren lassen. Neben dem Saalbau Neukölln, der Galerie im Saalbau, der Neuköllner Oper, dem Passage Kino und dem Museum Neukölln partizipieren zahlreiche Anwohner und Gewerbetreibende an den 48 Stunden Neukölln, indem sie ihre idyllischen Hinterhöfe bzw. temporär ungenutzte Räumlichkeiten für die Präsentation von Kunst-, Musik- und Tanzprojekten zur Verfügung stellen.

Am zentralen Festival-Infopoint in der Passage (Karl-Marx-Straße 131) können sich die Besucher mit Informationsmaterial eindecken und erhalten kompetente Auskünfte zum aktuellen Programm. Neben Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Langen Kurzfilmnacht im Passage Kino, laden bequeme Liegestühle dazu ein, in Ruhe die Programmhefte zu studieren und sich von einer Installation der Künstlerinnen Anja Sommer und Janna Rehbein umgarnen zu lassen:

Netzwerk – Installation
Ein fragiles Netzwerk aus neopinkfarbenen Wollfäden wächst unter Beteiligung von Passanten. Die Fäden zeichnen ein zartes Wirrwarr in die Luft. Mit jeder neuen Fadenlinie, erobert das Netz die Mauern, strebt wieder hinab und verdichtet sich. Im Dunkeln leuchten die UV-empfindlichen Fäden unter Schwarzlicht und das Netz gewinnt dadurch an Tiefe und Räumlichkeit. Es besetzt trotz seiner Fragilität den Raum zwischen und um sich und schafft so eine irreale, fast traumhafte Atmosphäre. Ort: Passage, Karl-Marx-Straße 131, Fr 19 Uhr – So 19 Uhr

URBAN SHORTS – Lange Kurzfilmnacht im Passagekino
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in urbanen Ballungszentren. Bezeichnenderweise kann Urbanität auch als “way of life” betrachtet werden. Doch was bedeutet das eigentlich: urbanes Leben? Diese und weitere Fragen stellt die diesjährige lange Filmnacht. Die Besucher erwartet ein facettenreiches Kurzfilmprogramm aus dokumentarischen, experimentellen und narrativen Beiträgen. Ergänzend lädt Loungemusik zum Verweilen ein und die Anwesenheit von Filmemachern zu angeregten Dialogen. Ort: Passage Kino, Karl-Marx-Straße 131, Sa 23-3 Uhr

Auch in diesem Jahr steht dank der Unterstützung durch die [Aktion! Karl-Marx-Straße] wieder die Alte Post als zentraler Ausstellungsort zur Verfügung. Die beiden Ausstellungen, die hier präsentiert werden, gehen aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage nach, was der Begriff Natur für heutige Stadtbewohner bedeutet: NATurBAN – Interkulturelle Kunst in der Alten Post

Ist Natur ein unabdingbares Element der Stadtmöblierung, Dekoration im urbanen Raum, oder ein weiteres Konsumobjekt unserer besitzorientierten Gesellschaft? Acht Künstler aus unterschiedlichen Ländern präsentieren ein breites Spektrum überwiegend partizipatorischer Arbeiten: Türkische Migranten berichten, wie sie im urbanen Raum nach einem Ersatz für ihr früheres Leben auf dem Land suchen. Auch Tiere finden einen Platz und erinnern uns an vergangene Zeiten, als Landlose in die Stadt zogen und ihr Vieh zur Unterhaltsicherung mitnahmen. Kinder formulieren ihre Beziehung zur Natur in Worten und Klang. Die politische Weltkarte läst sich in das Grundelement Erde auf. Die Bezüge sind vielfältig.

MAnATURE – Mensch und Natur – Ausstellung in der Alten Post
Dem großen Thema “Mensch und Natur” widmet sich eine Ausstellung im Erdgeschoss der Alten Post, die zu den 48 Stunden Neukölln 2009 eröffnet wird. Die vom Design der 1980er Jahre bestimmte Schalterhalle des ehemaligen Neuköllner Hauptpostamts ist ein Ort, der so gar nicht naturhaft anmutet. Doch gerade hier sind Arbeiten internationaler Künstler versammelt, die vom Verhältnis des zumeist urbanen Menschen zu einer naturhaften Umgebung handeln. Andere Werke konfrontieren den Besucher mit unterschiedlichen Konzeptionen von Natur. Ort: Alte Post, Karl-Marx-Str. 97/99, Fr 19:30 – So 19:00

Weitere Beispiele für das breite Spektrum an Arbeiten, die an der Karl-Marx-Straße präsentiert werden:

Erkundungen im Einpfennigparadies – Ein Audio Guide für die Karl-Marx-Straße – Hörstationen
Pfennig-Shops, Hunderte von Handyläden und wenig Qualität: Die Karl-Marx-Straße spiegelt zunächst einiges, was über die Straße und Nord-Neukölln in aller Munde ist. Und das ist wenig Gutes. Grund genug, nachzufragen und diesen Stimmen ein Forum zu geben.

Auf dem Weg zu einem Audio-Guide, werden während der 48 Stunden Neukölln vier mögliche Geschichten in einem historischen Hinterhof laut gemacht und laden zum Nachdenken und Mitreden ein. Ort: Aus- und Weiterbildungszentrum AWZ, im Hof Karl-Marx-Straße 139, Sa 10-20 Uhr, So 10-19 Uhr

All Along the Watchtower – Performance im öffentlichen Raum
Als Fremde, die mit spezieller Ausrüstung einen Ort besiedeln, zieht Scirocco Plot einen faltbaren Turm, verpackt auf einem Handwagen von Ort zu Ort. Sie bauen ihn auf, verweilen einen Moment, und bauen ihn wieder ab, um an anderer Stelle Quartier zu nehmen. Mit Hilfe der Elemente von Spannung und Druck wird ihre Skulptur auf ihr kleinstmögliches Gewicht und Zusammenfaltbarkeit hin optimiert. Scirocco Plot zeigt in ihrer permanenten Aktion eine eigene Ästhetik der Reise, gleichsam eine nomadische Handlungsweise. Ort: Unterwegs auf der Karl-Marx-Straße, Sa 10-22 Uhr, So 11-19 Uhr

Musikpflanzen – Windharfen auf dem Dach vom Neukölln Arcaden
Auf dem Parkdeck 6 der Neukölln-Arcaden werden unter Mitwirkung der Besucher mehrere Windharfen gebaut. Der Neuköllner Wind macht die Musik: Das Berlinpanorama fungiert als Bühnenbild, die Windharfen liefern den Soundtrack. Ort: Neukölln-Arkaden, Parkdeck 6, Karl-Marx-Straße 66, So 12-19 Uhr

Neuköllner lädt Nachbarn ein.
Eine Geste der Gastfreundschaft: Yusuf Bayrak lädt Neuköllner Nachbarn zum Plaudern und Entspannen bei kostenlosem Kaffee / Tee und Kuchen ein. Ort: Hof Karl-Marx-Straße 166, Fr 20-22 Uhr, Sa 10-22 Uhr, So 12-19 Uhr

Die 48 Stunden Neukölln werden vom Kulturnetzwerk Neukölln e.V. organisiert und kommuniziert. Das Bezirksamt Neukölln stellt die Grundfinanzierung sicher. Viele weitere Stiftungen, Partner und Sponsoren tragen dazu bei, dass sich Neukölln alljährlich von seiner besten Seite präsentiert.

Bild vergrößern ...

Bild vergrößern ...

Installation “Echopark” von Thomas Stordel, fotografiert
von Fernando Ponzetta (48 Stunden Neukölln 2007)