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Spolpersteinverlegung am 27.Oktober 2010

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Zahl der Stolpersteine in Neukölln wächst auf 118

Am Mittwochvormittag, dem 27. Oktober 2010, verlegt der Künstler Gunter Demnig 42 weitere Stolpersteine in Neukölln. „Stolpersteine“ sind kubische Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Es sind Erinnerungssteine für die ehemaligen jüdischen Nachbarn, für Akteure des politischen Widerstands und andere Verfolgte und Ermordete des Naziregimes. Die knappen Inschriften setzen sich aus dem Namen, dem Geburtsjahr, dem Deportationsdatum und dem Hinweis auf Todesort und Todesdatum des Opfers zusammen.

Die 42 Stolpersteine werden entlang der Karl-Marx-Straße verlegt, vor 15 Wohn-häusern. Die erste Verlegung beginnt um 9 Uhr vor dem Haus Karl-Marx-Straße 16; danach folgen die Häuser in der Karl-Marx-Straße mit den Hausnummern 26, 36, 56, 58, 76, 100, 112 und 118. Um etwa 11.15 Uhr geht es dann auf der anderen Straßenseite, in Höhe Karl-Marx-Straße 175, zurück Richtung Hermannplatz. Auch vor den Häusern 169, 93, 69, 55 und 43 werden Stolpersteine verlegt.

Ein Stolperstein wird für das kleine Mädchen Edith verlegt. Als Edith zusammen mit ihren Eltern am 28. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert wird, ist sie 5 Jahre und 4 Monate alt. Auch von der 5jährigen Edith verlangen die Behörden eine Vermögenserklärung. Dem Mädchen gehört ein Puppenwagen mit Puppen und Puppenbetten; Wert etwa 5 Reichsmark. Nach der Deportation werden Ediths Spielsachen von den Behörden beschlagnahmt und versteigert.

Ein anderer Stolperstein wird für Willy Leyser verlegt, der im Alter von 77 Jahren deportiert und 1942 in Treblinka ermordet wird. Zurück bleibt seine nichtjüdische Ehefrau. Anfang der 50er Jahre müssen Nachbarn der 86jährigen kinderlosen Witwe beim Nachweis helefen, dass die pflegebedürftige Witwe während des Naziregimes keine Straftaten begangen hat, wie von den Nazis behauptet. Denn als Kriminelle hätte sie keine „Wiedergutmachung“ bekommen.

Gestiftet wurden die Stolpersteine entlang der Karl-Marx-Straße von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] sowie von einer Privatperson. Das Kulturamt Neukölln und das Kulturnetzwerk Neukölln e.V. unterstützen das politische Kunstprojekt „Stolpersteine“, das durch Bürgerbeteiligung weiter lebt. Einen Stolperstein kann jeder stiften. 95 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines.