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Neue Stolpersteine für Neukölln

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Am Freitag, den 29. November 2013, verlegt der Künstler Gunter Demnig insgesamt 12 neue Stolpersteine vor sieben verschiedenen Häusern in Neukölln.

Um 9.00 Uhr beginnt Gunter Demnig in der Sanderstraße 14 mit der Verlegung der Stolpersteine für die Familien Ascher und Lazarus. Das Schicksal Oscar Aschers ist bis heute unbekannt, seine Frau Cäcilie sowie seine Tochter Ruth und ihr Ehemann Alfred Lazarus wurden am 14. November 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Anschließend wird um 9.30 Uhr in der Donaustraße 115 ein Stolperstein für Regina Löder verlegt. Sie floh am 4. März 1943 angesichts ihrer bevorstehenden Deportation in den Tod. Vor dem Haus in der Mareschstraße 14 wird um 9.50 Uhr ein Stolperstein für Johannes Dombrowski verlegt, der am 13. September 1943 verhaftet und wegen „Wehrkraftzersetzung“ am 5. Oktober 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde.

Um 10.15 Uhr werden in der Lichtenraderstraße 55 drei Stolpersteine für Margarete Rauchbach, geborene Lewin, und Erna Meyer, geborene Lewin, sowie für ihre Cousine Ursula Meyer vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Lewin gelegt. Alle drei wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Anschließend wird um 10.50 Uhr ein Stolperstein für Stanislaw Kubicki in der Onkel-Bräsig-Straße 46 verlegt.

Im Sommer 2013 stand für die Klasse 9c der Alfred-Nobel-Schule eine Woche lang, angelehnt an die Ausstellung „Das Ende der Idylle“ des Museums Neukölln, die Beschäftigung mit der Hufeisensiedlung und ihren Bewohnern in der Zeit des Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Durch das beeindruckende Zeitzeugeninterview mit Herrn Karol Kubicki wurden die Schüler auf das Schicksal seines Vaters aufmerksam und entschlossen sich, mit einem Stolperstein an diesen zu erinnern. Stanislaw Kubicki war 1941 nach Polen geflüchtet und schloss sich dem dortigen Widerstand an. Im Jahr 1941 wurde er verhaftet und ein Jahr später im Warschauer Pawiak-Gefängnis umgebracht.

In der Onkel-Bräsig-Straße 111 wird um 11.05 Uhr ein Stolperstein für Hans-Georg Vötter verlegt. Der 8. Jahrgang der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule hat sich im Gesellschaftskunde-Unterricht mit der Hufeisensiedlung im Nationalsozialismus beschäftigt. Die Schüler und Schülerinnen haben sich insbesondere mit der Biographie des Widerstandskämpfers auseinandergesetzt, der mit seiner Familie in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule gelebt hat.

Hans-Georg Vötter war Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe und erstmals 1935 zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Erneut festgenommen, wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt und am 11. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet. Zuletzt wird um 11.25 Uhr vor dem Haus Parchimer Allee 7 ein Stolperstein für Heinrich Uetzfeld, gestiftet von der Klasse 8c des Albert-Einstein-Gymnasium, verlegt. Die Klasse hatte sich im Rahmen des Theaterprojekts „Tür an Tür mit einem Nazi“ unter anderem mit der Biografie Heinrich Uetzfelds beschäftigt und dazu Szenen entwickelt, die im Rahmen einer performativen Theaterinstallation in der Sonderausstellung des Museums Neukölln öffentlich aufgeführt wurden.

Gewerkschaftsfunktionär Heinrich Uetzfeld befand sich bis zu seiner Verhaftung Ende 1933 im Widerstand. Nach einer mehrjährigen Zuchthausstrafe nahm er seine politische Tätigkeit im Untergrund wieder auf, wurde 1940 erneut verhaftet und kam wenige Monate später im Konzentrationslager Dachau ums Leben.

Für den Bezirk Neukölln ist das Museum Neukölln Ansprechpartner, es begleitet die Recherchen und koordiniert die Verlegeorte und Termine. Kontakt: , Tel. 030-627277722.